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Berliner Plan für eine bessere Arztversorgung

In Ber­lin feh­len der­zeit rund 130 Haus­ärz­te. Die­se medi­zi­ni­sche Man­gel­si­tua­ti­on wird sich in den kom­men­den fünf Jah­ren noch ein­mal ver­schär­fen, weil ein Drit­tel der Haus- und grund­ver­sor­gen­den Fach­ärz­te für Kin­der- und Jugend­me­di­zin, Frau­en­heil­kun­de und Geburts­hil­fe, Hals-Nasen-Ohren-Heil­kun­de und Augen­heil­kun­de das Ren­ten­al­ter errei­chen wer­den. Betrach­tet man die ein­zel­nen Bezir­ke im Detail, gibt es zudem deut­li­che Ver­sor­gungs­un­ter­schie­de. »Kurz vor einer ech­ten Unter­ver­sor­gung lie­gen der­zeit die Bezir­ke Lich­ten­berg und Trep­tow-Köpe­nick sowie Mar­zahn-Hel­lers­dorf«, erklärt Burk­hard Rup­pert, der stell­ver­tre­ten­de Vor­sit­zen­de der Kas­sen­ärzt­li­chen Ver­ei­ni­gung in Ber­lin. Ande­re Bezir­ke sei­en mit bis zu 75 Haus­arzt­sit­zen über der Norm von 110 Pro­zent belegt – die Ost­be­zir­ke wie­sen hin­ge­gen Ver­sor­gungs­quo­ti­en­ten von nur 80 Pro­zent auf.

Neue Regelungen in den kommenden Wochen

Um die­ser unglei­chen Ver­tei­lung ent­ge­gen­zu­wir­ken, hat die Kas­sen­ärzt­li­che Ver­ei­ni­gung jetzt ein neu­es Ver­teil­ver­fah­ren ent­wi­ckelt, nach dem alle neu­en Haus­arzt­sit­ze ab sofort nur noch in die Bezir­ke mit den größ­ten Bedar­fen gelei­tet wer­den. Laut die­sem Plan gibt es jetzt einen Pla­nungs­be­reich I, der aus neun der zwölf Ber­li­ner Bezir­ke besteht, die haus­ärzt­li­ch gut ver­sorgt sind. Der Pla­nungs­be­reich II setzt sich aus den schlecht ver­sorg­ten Bezir­ken Mar­zahn-Hel­lers­dorf und Lich­ten­berg zusam­men und der Pla­nungs­be­reich III stellt den bedarfs­stärks­ten Bezirk Trep­tow-Köpe­nick dar. Erst wenn die Bedarfs­be­zir­ke die Ver­sor­gungs­dich­te der übri­gen Bezir­ke durch Neu­be­set­zun­gen mit Haus­arzt­sit­zen erreicht haben, wer­den die Bezir­ke in den drei Pla­nungs­be­rei­chen wie­der neu sor­tiert. »Dana­ch könn­ten zum Bei­spiel Rei­ni­cken­dorf und Span­d­au als Bedarfs­be­zir­ke geführt wer­den«, so Rup­pert. Auch bei den Fach­ärz­ten soll auf­grund der unter­schied­li­chen Ver­sor­gungs­la­ge eine Neu­ord­nung des Beset­zungs­ver­fah­rens vor­ge­nom­men wer­den. Um neu zu ver­ge­ben­de Sit­ze ins­be­son­de­re bei den grund­ver­sor­gen­den Fach­grup­pen bes­ser steu­ern zu kön­nen, sol­len die­se vom Zulas­sungs­aus­schuss nur noch in Bezir­ke ver­ge­ben wer­den, die einen Ver­sor­gungs­grad von unter 90 Pro­zent auf­wei­sen. Der Bezirk Neu­kölln mit einer ekla­tan­ten Unter­ver­sor­gung bei den Gynä­ko­lo­gen wür­de von die­ser Neu­re­ge­lung zum Bei­spiel ab sofort pro­fi­tie­ren.

Zusätzliche Anreize sollen die Ärzte locken

Als zusätz­li­chen Will­kom­mens­bo­nus wer­den die Kran­ken­kas­sen den in den Bedarfs­be­zir­ken neu hin­zu­ge­zo­ge­nen Ärz­ten eine geson­der­te Bezu­schus­sung von zwei Cent pro Behand­lungs­punkt für die kom­men­den acht Quar­ta­le gewäh­ren. Rund 64.000 Euro extra könn­te jeder neue Arzt so zusätz­li­ch ein­strei­chen. Dar­über hin­aus baut die Kas­sen­ärzt­li­che Ver­ei­ni­gung auch auf ein Enga­ge­ment der Bezirks­äm­ter bei der Stand­ort­su­che für Pra­xis­sit­ze durch eine bezu­schus­s­te Gewer­be­raum­su­che. »Nur so kann auch die Ver­tei­lung inner­halb der Groß­be­zir­ke sinn­voll gesteu­ert wer­den«, so Burk­hard Rup­pert. »Kom­men mit die­sen Maß­nah­men in den genann­ten Bezir­ken nicht genug Ärz­te zusam­men, wird die Kas­sen­ärzt­li­che Ver­ei­ni­gung Medi­zi­ni­sche Ver­sor­gungs­zen­tren (MVZ) instal­lie­ren. Dazu wür­den wir jeweils ent­spre­chen­de Räu­me anmie­ten, für die wir jeweils zwei bis drei Ärz­te anstel­len wer­den und dort prak­ti­zie­ren las­sen«, so der stell­ver­tre­ten­de KV-Chef.

Zügige Umsetzung steht bevor

Der neue Plan für mehr Ärz­te in den Bedarfs­re­gio­nen könn­te bereits ab Novem­ber star­ten. »Bis dahin soll­ten wir alle recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen abge­ar­bei­tet haben«, so Rup­pert, der für den Som­mer 2021 auf bis zu 25 neue Haus­ärz­te in den Bedarfs­be­zir­ken hofft. »Bei der Vor­stel­lung des Kon­zep­tes waren eigent­li­ch alle Kol­le­gen begeis­tert«, bestä­tigt auch der Neu-Hohen­schön­hau­se­ner Kin­der­arzt Stef­fen Lüder. Jetzt brau­che man vor allem gute Ange­bo­te für Gewer­be­räu­me. Dafür soll­ten für künf­ti­ge Wohn­sied­lun­gen im Ost­teil der Stadt not­wen­di­ge Arzt­pra­xen gleich mit­ge­plant wer­den. »Es ist ja nicht so, dass sich in den Bedarfs­be­zir­ken die Arzt­pra­xen wirt­schaft­li­ch nicht rech­nen. Allein die Rah­men­be­din­gun­gen für den Betrieb guter Pra­xen müs­sen stim­men, damit sich Ärz­te dazu bewe­gen las­sen, hier­her­zu­zie­hen«, so der Kin­der­arzt.

»Alle Gesprä­che haben sich gelohnt. Jetzt müs­sen wir mit guten Rah­men­be­din­gun­gen dafür sor­gen, dass Ärz­te hier­her­kom­men«, bestä­tigt auch die Ber­li­ner Abge­ord­ne­te der Lin­ken, Ines Schmidt die erreich­te Rege­lung. End­li­ch sei die Chan­ce gege­ben, die Unter­ver­sor­gung erheb­li­ch zu ver­bes­sern, lau­tet die Ein­schät­zung der Poli­ti­ke­rin, die sich mit gro­ßem Ein­satz um die Neu­re­ge­lun­gen in den ver­gan­ge­nen Jah­ren bemüht hat­te.

Auch der Hohen­schön­hau­se­ner Ber­lin-Abge­ord­ne­te Dan­ny Frey­mark (CDU) zeigt sich vol­ler Zuver­sicht ange­sichts der bevor­ste­hen­den Neu­re­ge­lun­gen. »Wir begrü­ßen den Schritt der Kas­sen­ärzt­li­chen Ver­ei­ni­gung, nun gilt es schnellst­mög­li­ch geeig­ne­te Räu­me im Bezirk zu iden­ti­fi­zie­ren und den poten­zi­el­len Haus­ärz­ten anbie­ten zu kön­nen”, so Frey­mark Zugleich müs­se auch die Pla­nung für zusätz­li­che MVZs vor­an­ge­trie­ben wer­den, da der Bedarf mitt­ler­wei­le rie­sig gewor­den sei, so die Ziel­set­zung des CDU-Abge­ord­ne­ten für die kom­men­den Mona­te.

[…]

Datum: 24. Sep­tem­ber, Text: Ste­fan Bar­tyl­la, Bild: ima­go images / Wes­ten­d61

https://abendblatt-berlin.de/2020/09/24/berliner-plan-fuer-eine-bessere-arztvversorgung/

Herausgeber: Danny Freymark | 24. September 2020

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